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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Demografischer Wandel: Mehr als ein Modethema

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Schon Konrad Adenauer warnte 1953 vor der Gefahr einer alternden Gesellschaft. Seitdem scheint das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung abwechselnd über- und unterrepräsentiert. Ist der aktuelle Medienrummel um den Demografischen Wandel nur ein vorübergehendes Phänomen? Harald Wilkoszewski vom MPIDF in Rostock fasst die Fakten zusammen.

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Der Demografische Wandel geht in Deutschland mit einer grundlegenden Verschiebung im Altersaufbau der Bevölkerung einher. Die Demografie untersucht die Bevölkerungsentwicklung dabei anhand der drei Komponenten Geburtenentwicklung, Sterblichkeit und Migration.

 

1. Geburtenentwicklung: Damit die deutsche Bevölkerung in ihrer Größe unabhängig von Zu- oder Abwanderung stabil bleibt, muss die Reproduktionsrate, d.h. die Anzahl der (Lebend-)Geburten pro Frau 2,1 betragen. Der tatsächliche deutsche Wert unterschreitet mit 1,3 Kindern pro Frau das Bestandserhaltungsniveau um ein Drittel.

 

2. Sterblichkeit: Die vielzitierte steigende Lebenserwartung basiert auf einer reduzierten Sterblichkeit. Historisch ist das Sterberisiko sehr junger und sehr alter Menschen am höchsten. Nach der drastischen Reduzierung der Säuglingssterblichkeit im vorigen Jahrhundert, gründet heute jeder weitere Anstieg der Lebenserwartung auf der verringerten Sterblichkeit im hohen Alter. Neuere Studien am MPIDF sprechen dafür, dass hier noch lange kein Ende in Sicht ist. Die kommenden Jahrzehnte werden deshalb sowohl von einer steigenden durchschnittlichen Lebenserwartung – für Männer liegt sie in Deutschland derzeit bei 75,4 und für Frauen bei 81,2 Jahren – als auch von immer neuen Altersrekorden gekennzeichnet sein.

 

3. Migration: Aussagen über den künftigen Saldo aus Zu- und Abwanderungen (= Nettozu- bzw. –abwanderung) bergen bei Bevölkerungsprognosen das größte Potenzial für Fehleinschätzungen. Die Ursachen für Wanderungsbewegungen sind vielfältig, einschneidende zur Migration veranlassende Ereignisse (Bürgerkriege, Naturkatastrophen, politische Wechsel) nicht vorhersehbar. Seit 1997 pendelt die Nettozuwanderung nach Deutschland auf einem niedrigen Niveau (ca. 45.000 bis 95.000). Entscheidende Impulse für einen Aufschub oder gar die Umkehr der aktuellen Bevölkerungsentwicklung per Migration sind nicht zu erwarten.

Fazit: Niedrige Geburtenraten und weiterhin steigende Lebenserwartung werden die Altersstruktur der deutschen Bevölkerung in den nächsten 50 Jahren nachhaltig verändern. Die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Herausforderungen, denen sich die deutsche Gesellschaft gegenübersieht, gehören zu den tiefgreifendsten, auf biologischen Prozessen basierenden Veränderungen, die die Menschheit je erlebt hat.

KvE


Quelle: Wilkoszewski, H, 2004: Mehr Kinder helfen nicht. Warum Politik im Zeichen des Bevölkerungswandels demografieresistent gestaltet werden muss. Zeitschrift für Biopolitik, Nr. 3, 3. Jahrgang 2004, S. 159 – 167

Darauf basierend:

Wilkoszewski, H, 2004: Einfluss auf die Bevölkerungsalterung im Mittelpunkt, Demografische Forschung aus Erster Hand, 1 (2004) 2, Seite 3.

http://www.demografische-forschung.org/archiv/defo0402.pdf



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