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Österreich ist keine Ausnahme: Wie in allen Industrienationen ist hier die Geburtenrate stark zurückgegangen, und das schon seit den sechziger Jahren. Das liegt auch daran, dass immer weniger Frauen ein drittes Kind bekommen. Liegt das daran, dass Frauen zunehmend von ihrem Partner unabhängig werden? Und: Welche Rolle spielt die Familienpolitik in Österreich?
Analysiert man Daten aus dem österreichischen Familien- und Fertilitäts-Survey, so zeigt sich, dass Geburten dritter Kinder im wesentlichen von zweierlei abhängen: dem Alter der Frau, in dem sie ihre ersten beiden Kinder geboren hat, und dem Bildungsgrad ihres Partners. Das widerspricht der gängigen Auffassung einer zunehmenden Unabhängigkeit der Frauen von ihrem Partner. Überdies bedeutet Unabhängigkeit nicht automatisch weniger Kinder. Sie bedeutet auch Unabhängigkeit von der herrschenden Norm einer Zwei-Kind-Familie – also die Freiheit, sich für mehr Kinder zu entscheiden. Die Frauen würden sich also nicht wegen, sondern trotz ihrer Unabhängigkeit für ein drittes Kind entscheiden.
Anders als eine zunehmende Unabhängigkeit der Frauen (so sie denn existiert) besitzt die Familienpolitik großen Einfluss auf die Geburtenraten. Ihr Einfluss zeigte sich besonders, als im Jahr 1990 der Erziehungsurlaub von einem auf zwei Jahre verlängert wurde. Um Anspruch auf abermaliges Erziehungsgeld zu haben, mussten die Frauen nämlich entweder ihr weiteres Kind während des vorigen Erziehungsurlaubs bekommen oder für einige Wochen gearbeitet haben. Letzteres ließ sich zum Beispiel in befristeten Beschäftigungsverhältnissen nur schwierig verwirklichen. Erheblich einfacher war es, während eines zweijährigen Erziehungsurlaubs ein weiteres Kind zu bekommen, was innerhalb eines einjährigen Erziehungsurlaubs sehr viel schwieriger zu verwirklichen ist. Als Folge dieser Regelung wurde es für Frauen günstig, ein drittes Kind relativ bald nach dem zweiten Kind zu bekommen. Entsprechend schrumpfte der Zeitabstand zwischen den Geburten des zweiten und dritten Kindes. Dies verringerte den Rückgang an dritten Geburten. Zu einem Anstieg der Geburtenrate kam es aber nicht. Den Grund dafür sehen die Wissenschaftler in der unzureichenden Unterstützung durch die österreichische Familienpolitik. Anders als beispielsweise die schwedische Familienpolitik ist sie nicht explizit darauf ausgerichtet, Frauen eine gleichzeitige Berufstätigkeit und Kindererziehung zu ermöglichen, zum Beispiel wenn es um flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit von Teilzeitarbeit geht. Sie ist stärker dem traditionellen Familienbild verhaftet, in dem die Kindererziehung der Mutter obliegt, während der Vater der alleinige Ernährer der Familie ist. she Autoren: Jan M. Hoem, Alexia Prskawetz, Gerda Neyer Quelle: Autonomy or Conservative Adjustment? The Effect of Public Policies and Educational Attainment on Third Births in Austria Eine etwas längere Version ist verfügbar als MPIDR working paper (WP-2001-016) |
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