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In der Vergangenheit hatte Familienpolitik das Ziel, die Diskrepanz zwischen dem persönlichen Kinderwunsch und der Zahl der tatsächlich geborenen Kinder zu verringern. Eine solche Politik muss jedoch wirkungslos bleiben, wenn der Kinderwunsch selbst wegbricht. Und das tut er – einmalig in Europa und der Welt - in Deutschland und Österreich. Dies belegt eine Studie, die auf der Stichprobenuntersuchung Eurobarometer basiert. Die Schwelle der Generationenerneuerung liegt bei 2,1 Kindern pro Frau, und in Europa hatte sich die Familie mit zwei Kindern als normatives Leitbild herausgebildet. Laut der Studie liegt die persönlich als ideal angesehene Kinderzahl jedoch für Ostdeutschland inzwischen bei 1,6, für Westdeutschland und Österreich bei 1,7. Das ist deutlich weniger als im übrigen Europa. In allen anderen Ländern liegt die Wunschkinderzahl bei mehr als zwei Kindern. Zudem halten – in allen untersuchten europäischen Ländern – jüngere Frauen weniger Kinder für ideal als ältere: Der Kinderwunsch hat erst seit einigen Jahren abgenommen. Abb. 1 Individuell als ideal angesehene Kinderzahl pro Familie. In den Ländern, die unterhalb der Geraden liegen, halten Frauen unter 35 Jahren weniger Kinder für ideal als ältere Frauen.
Warum ist der Kinderwunsch in Deutschland und Österreich so niedrig? Es fällt auf, dass in diesen beiden Ländern deutlich früher als im restlichen Europa die Geburtenraten eingebrochen sind und seit nunmehr über 30 Jahren unterhalb der Schwelle der Generationenerneuerung liegen. Jüngere Menschen in Deutschland und Österreich haben ihr ganzes Leben in einem Umfeld niedriger Geburtenraten verbracht. Sie wurden in einem Umfeld kleinerer Familien und höherer Kinderlosigkeit sozialisiert als andere Europäer.
Es erscheint plausibel anzunehmen, dass der Geburtenrückgang auf die Ideale der nächsten Generation zurückwirkt: Von der erlebten Realität zur Norm. Weitergedacht könnte das zu einer Negativspirale führen: Niedrige Geburtenraten bewirken mit Zeitverzögerung niedrigere Ideale, ein Sinken der Ideale führt dann zu noch niedrigeren Geburtenraten - und so weiter. Schaut man auf das übrige Europa, so kann man vermuten, dass Österreich und Deutschland lediglich die Vorreiter einer solchen Entwicklung sind.
Erweist sich die Hypothese über das Wechselspiel von Kinderwunsch und Geburtenrate als richtig, so werden auch andere Länder, in denen der Einbruch der Geburtenzahlen später erfolgte als in Deutschland und Österreich – beispielsweise Italien und Spanien – , demnächst einen ähnlichen Wandel der Normen und damit der Ideale erleben. she Autoren: Wolfgang Lutz, Nadja Milewski Quellen: Demografische Forschung aus erster Hand 2/2004 „Als ideal angesehene Kinderzahl sinkt unter zwei“ http://www.demografische-forschung.org/archiv/defo0402.pdf
http://www.oeaw.ac.at/vid/publications/EDRP_No2.pdf |
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