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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Geburtenkonzentration – wenn immer weniger Frauen Mütter werden

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Die Geburtenrate allein reicht nicht aus, das Geburtenverhalten in einem Land – hier: Österreich – zu beschreiben. Bisweilen ist es hilfreich, die Perspektive der Kinder einzunehmen. Denn in der Erlebniswelt eines Kindes spielt es eine Rolle, ob es selbst und seine Freunde als Einzelkinder oder mit vielen Geschwistern aufwachsen. Manche Veränderungen werden so beschleunigt wahrgenommen, anderes ist praktisch konstant. Das gilt zum Beispiel für Geburtenrate und Geburtenkonzentration. Konzentration meint die Tatsache, dass die Kinder auf die Frauen einer Geburtskohorte ungleich verteilt sind.

Ein Beispiel: In einem Jahr haben alle vierzigjährigen Frauen im Laufe ihres Lebens ein Kind geboren; einige Jahre später habe nur ein Drittel der vierzigjährigen Frauen jeweils zwei Kinder geboren, der Rest bleibe kinderlos. Dann haben die Frauen im zweiten Fall insgesamt weniger Kinder bekommen; die Geburtenrate ist im zweiten Fall also niedriger. Die Konzentration ist jedoch höher, weil alle Kinder mit einem Geschwister aufwachsen, während es im ersten Fall nur Einzelkinder gibt. Aus der Sicht der Kinder wäre in diesem Fall vom Geburtenrückgang nichts zu merken.

 

Im zwanzigsten Jahrhundert hat in allen westlichen Ländern die Konzentration abgenommen. Die meisten Frauen, je nach Land 30 bis zu 60 %, hatten gleich viele Kinder, nämlich zwei. Zwei Kinder wurden zur Norm.

 

Erst in letzter Zeit hat sich der Trend umgekehrt. Auslöser dieser Entwicklung war die zunehmende Kinderlosigkeit: Die neu geborenen Kinder wurden von immer weniger Frauen zur Welt gebracht, also stieg die Konzentration an. Dieser Anstieg war in Österreich, wo die Konzentration aufgrund von Kinderlosigkeit ohnehin hoch war und ist, weniger ausgeprägt als in anderen Ländern und war vor allem Frauen zuzuschreiben, die in einer städtischen Umgebung lebten.

 

Dort gibt es die so genannten „Dinks“ (double income, no kids), kinderlose Paare, bei denen beide Partner berufstätig sind. Verschiedene Berufsgruppen weisen allerdings sehr unterschiedliche Konzentrationen auf.

 

In Österreich hatten zwischen 1917 und 1961 geborene Frauen je nach ihrem Bildungsstand unterschiedlich viele Kinder: Für die Frauen mit Universitätsabschluss lag die Geburtenrate (das heißt die durchschnittliche Zahl geborener Kinder: Kohortenfertilität) für alle Geburtsjahrgänge um ungefähr 0,5 unterhalb der Geburtenrate für alle Frauen. Betrachtet man jedoch nicht alle Frauen, sondern nur die Mütter, nimmt man also die kinderlosen Frauen heraus, so ist die Variationsbreite je nach Bildungsstand wesentlich geringer. Für die Geburtsjahrgänge 1957 bis 1961 lag die Geburtenrate der Mütter mit Universitätsabschluss jedoch nur noch um 0,2 unterhalb der Geburtenrate aller österreichischen Mütter. Auch hier sieht man, dass sich manches demografische Phänomen aus der Perspektive der Kinder anders darstellt: Akademikerinnen haben deutlich weniger Kinder als andere Frauen, aber in der Geschwisterzahl unterscheiden sich die Kinder von Akademikerinnen kaum von anderen Kindern.

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Autor: Martin Spielauer

Quelle: Concentration of reproduction in Austria: general trends and differentials by educational attainment and urban-rural setting (MPIDR Working Paper WP 2005-12 und: Vienna Yearbook of Population Research 2005, Austrian Academy of Science, 2005)

http://www.demogr.mpg.de/Papers/Working/wp-2005-012.pdf


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