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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Erst arbeiten, dann Kinder – Geburtenverhalten einheimischer und nach Schweden immigrierter Frauen

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Warum, wann und wie häufig sich Frauen für Nachwuchs entscheiden, ist von Land zu Land verschieden und nicht selten ein Spiegelbild der Familienpolitik des jeweiligen Staates. Wie wenig Einfluss hingegen kulturelle Wurzeln und Traditionen haben können, zeigen in Schweden lebende Ausländerinnen. Ob Somalierinnen, Thailänderinnen oder Deutsche, sie alle zeigen ein für ihr Aufnahmeland charakteristisches Geburtenverhalten.

Die schwedische Familienpolitik fördert die Gleichheit der Geschlechter und erleichtert den Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So steht Kindern unter 3 Jahren ein breites, außerhäusliches Betreuungsangebot offen und ermöglicht die frühzeitige Rückkehr der Mütter an ihren Arbeitsplatz. Ein Elterngeld, welches sich an der Höhe des vor der Geburt gezahlten Gehalts orientiert, hält Einkommensverluste desjenigen Elternteils gering, der seine Erwerbstätigkeit für die Kindererziehung unterbricht. Mit diesen familienpolitischen Rahmenbedingungen gehört Schweden im europaweiten Vergleich zu den Ländern, in denen eine hohe weibliche Erwerbsbeteiligung nicht mit einer verringerten Geburtenrate einhergeht.

 

Laut einer gemeinsamen Studie des Max-Planck-Institutes für demografische Forschung und der Universität in Lund lässt sich ein positiver Einfluss von Erwerbstätigkeit auf die Fertilität nicht nur bei schwedischen Frauen, sondern auch bei Ausländerinnen feststellen, die kinderlos nach Schweden immigriert sind. Vergleichend für 10 der größten ausländischen Bevölkerungsgruppen in Schweden (Einwanderer aus Finnland, Deutschland, Polen, Griechenland, Iran, Türkei, Somalia, Thailand, Vietnam und Chile) untersuchten die Wissenschaftler, wie sich die persönliche Beschäftigungssituation der Frau auf ihre Entscheidung für ein erstes Kind auswirkt.

 

Unabhängig von ihrer Nationalität realisieren sowohl einheimische als auch immigrierte Frauen ihren Kinderwunsch eher, wenn sie auf dem schwedischen Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben. Gehen sie einer Beschäftigung nach, so wird ihre Mutterschaft umso wahrscheinlicher, je mehr sie verdienen. Einwanderer unterschiedlichster Herkunft und kultureller Prägung passen sich also schon in erster Generation an das Geburtenverhalten ihres neuen Heimatlandes an. Diese Beobachtung spricht dafür, dass die familienpolitischen Rahmenbedingungen in Schweden die Entscheidung für oder gegen Nachwuchs entscheidend beeinflussen. Höher qualifizierte und besserverdienende Frauen, so die Autoren, bleiben in Westdeutschland beispielsweise oft kinderlos, da sich eine Mutterschaft nur schwer mit beruflichen Anforderungen vereinbaren lässt. Im schwedischen Umfeld hingegen profitieren sie unter anderem von einer Kombination aus einkommensabhängigem Elterngeld und flexiblen Kinderbetreuungsangeboten. Die Frauen entscheiden sich deshalb häufiger für Kinder als Erwerbslose und Geringverdienende.

 

Die vorliegende Studie widerspricht der weitverbreiteten Ansicht, Immigrantenfamilien nützten die sozialen Sicherungssysteme des Aufnahmelandes aus. Mit Ausnahme von Finninnen, Thailänderinnen und Deutschen haben Frauen aller anderen Bevölkerungsgruppen eine deutlich verringerte Neigung, Kinder in die Welt zu setzen, wenn sie von Sozialhilfe leben.

ic


Autoren: Gunnar Andersson & Kirk Scott

Quelle: Andersson G, Scott K, 2005. Labour-market status and first-time parenthood: The experience of immigrant women in Sweden, 1981-97. Population Studies, 59:1, 21-38.



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